Die libertäre Utopie

Die Libertären sind – wegen ihrer analytischen Konsistenz und schlüssigen Logik – leider fast durchgehend erschreckend intolerant gegenüber anderen Ideen, nicht zuletzt jenen ihrer liberalen Verbündeten. Trotzdem sollte man den Libertarismus nicht verteufeln.

von Gerhard Schwarz

Seit Jahrzehnten wird von linken Ideologen – die diese Charakterisierung natürlich weit von sich weisen würden – gegen den «Neoliberalismus» gegeifert. Der Ausdruck wird inzwischen fast gedankenlos für einen radikalen, übertriebenen Liberalismus und Marktfundamentalismus verwendet. Dabei meinte er ursprünglich, in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, das pure Gegenteil, nämlich einen gemässigten Liberalismus. Im Gegensatz zum Paläoliberalismus mit seinem Laissez-faire plädierten die Neoliberalen für einen zwar schlanken, aber starken Staat, für eine existenzsichernde Sozialpolitik und für eine Wettbewerbspolitik. Ein Resultat dieser Weltanschauung war der Aufschwung Europas nach dem Krieg, ganz besonders das «Wirtschaftswunder» in Deutschland.

Als neues Feindbild haben die Staatsgläubigen nun die «Libertären» entdeckt. Der Ausdruck wird in den USA seit den 1950er Jahren verwendet, als dort im Nachgang zu Franklin D. Roosevelts New Deal «liberal» zunehmend für «sozialdemokratisch» oder sogar «sozialistisch» stand. Anhänger einer auf Selbstverantwortung und freien Verträgen basierenden Gesellschaft mussten sich daher als klassisch Liberale oder Liberale im europäischen Sinne bezeichnen – oder als Libertäre. Libertäre haben eine radikale Sicht von Wirtschaft und Gesellschaft. Sie basiert auf der Philosophie von John Locke und der Idee des Selbsteigentums, des Eigentums am eigenen Körper, das es unbedingt zu schützen gelte. Daraus folgen die Bejahung der Marktwirtschaft sowie eine völlig «gesellschaftsliberale» Haltung.

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Arena 21.10.2016: Ist die Schweiz ein christliches Land?

Eine völlig falsche Frage. Die Frage müsste lauten: Ist die freiheitliche Schweiz bedroht durch autoritäre und kollektivistische Systeme angefangen bei der EU bis zum radikalen Islam? Was tun gegen die Bedrohungen gegenüber dem Individuum? Und: Was sind denn eigentlich christliche Werte? Schon Wikipedia hat Schwierigkeiten, diesen Begriff eindeutig zu definieren. Natürlich gibt es bei uns “christliche” Traditionen, die durchaus auch heute noch ihre Berechtigung haben. Auch das Christentum beinhaltet Werte wie Individualität und Freiwilligkeit. Ein Glaubensabfall wird nicht mit dem Tode bedroht wie anderswo. Das Christentum, obwohl traditionell anderer Meinung, musste die Realität von Homosexualität und ein Recht der Frau auf Abtreibung akzeptieren.