Staatswachstum, Zentralismus und «Crony Capitalism»

Von Robert Nef

Trotz meiner persönlichen Vorliebe für «small is beautiful» und «mehr Freiheit für alle», teile ich den von Prof. Tobias Straumann in seinem NZZ-Interview vom 12. August geäusserten Pessimismus bezüglich Staatswachstum und Zentralismus. Der weltweite Trend geht zurzeit auf «Gross, immer grösser» – leider. Die dahinterstehende Triebkraft sind fünf Phänomene, die man die «Big Fives» nennen könnte: Big government, big business, big money, big education/research/information und big data. Sie sind komplex miteinander vernetzt, und man kann die Schuld an dieser verhängnisvollen Verknüpfung nicht allein der Politik, bzw. dem «big government» zuschieben. Der Drang zur Grösse ergibt sich aus der Kombination von wechselseitigen Reaktionen. Trotzdem lohnt es sich, im Hinblick auf einen möglichen «geordneten Rückzug aus überdimensionierten Fehlstrukturen» oder im Hinblick auf einen Crash über mögliche Kausalitäten innerhalb dieser vielfältigen und labilen Interdependenz nachzudenken.

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Sozialismus braucht Zwang


(Nebelspalter)

In sozialistischen Staaten und auch in anderen totalitären kollektivistischen Systemen ist Kapitalismus im Sinn von Freihandel und eigennützigem Gewinnstreben nicht zugelassen – oder nur sehr dosiert.

von Robert Nef

Der wichtigste Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus besteht darin, dass man in einer kapitalistischen Ordnung sehr wohl freiwillig andere, nicht kapitalistische Ziele verfolgen kann. Nach freier Wahl können sich alle solidarisch verhalten und sich in den Dienst anderer stellen – auch unentgeltlich.

Im Sozialismus wird Solidarität hingegen zwangsweise verordnet, wobei Sozialdemokraten bereit sind, Zwangssolidaritäten erst dann allgemeinverbindlich zu etablieren, wenn eine Mehrheit (meist eine Mehrheit von Begünstigten) zugestimmt hat. Das unterscheidet sie von den doktrinären Sozialisten, bei denen die Freiheit Andersdenkender keine Priorität hat, weil sie definitiv «wissen, was für alle gut ist».

In einer offenen, auf Kapitalismus basierenden Gesellschaft, steht es jedoch allen frei, einer Genossenschaft beizutreten, in der alles einvernehmlich geteilt wird. Niemand ist gezwungen, den Gelderwerb als oberstes Ziel zu verfolgen, und man kann sich für ein asketisches Leben entscheiden, sofern man dem Gemeinwesen nicht zur Last fällt.

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Strategie des geordneten Rückzugs

(Finanz und Wirtschaft – Meinungen)

Der Staat dringt immer weiter ins Private vor, der Prozess hat sich in der Pandemie noch verstärkt. Er muss dringend zugunsten der Freiheit und zulasten des Staates umgedreht werden. Ein Kommentar von Robert Nef.

«Wer willkürlich herrschen will, ist an Notständen aller Art interessiert.»

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Pestalozzi als politischer Vordenker


(Weltwoche)

Seine Pädagogik gilt heute als Vorbild für die meisten Lehrpläne der Volksschule. Übersehen wird, dass Johann Heinrich Pestalozzi ein früher Kritiker des Staatsglaubens war.

Robert Nef

Er wird in der Ideengeschichte als Begründer einer neuen kindzentrierten und praxisorientierten Pädagogik wahrgenommen. Johann Heinrich Pestalozzis Postulat der Verknüpfung von Kopf, Herz und Hand wurde in der Forderung nach der gleichzeitigen Förderung von kognitiven, affektiv-emotionalen und sensomotorischen Fähigkeiten in die meisten gegenwärtigen Lehrpläne integriert. In der Pädagogik gehört er noch zum innerdisziplinären Kanon, in der Sozialphilosophie und in der Soziologie wird er höchstens noch als kurioser «Gutmensch» wahrgenommen und wohlwollend belächelt.

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Was ist heute «links», was «rechts»?

(NZZ – MEINUNG & DEBATTE – Samstag, 17. Juli 2021, Seite 21)

Die in der Politik gebräuchliche Unterscheidung von «links» und «rechts» führt in die Irre, weil sie auf einer fragwürdigen Vorstellung von Fortschritt und Bewahrung basiert. Gastkommentar von Robert Nef

Links gilt als fortschrittlich, gemeinschaftsbezogen und veränderungsfreudig, als pro Umverteilung und pro internationale Vernetzung – rechts gilt als konservativ, individualistisch, als pro Privateigentum, pro offene Märkte und pro nationale Souveränität. Das ist das klassische Schema der Charakterisierung von Parteien, das sich seit der Französischen Revolution eingebürgert hat.

Die Rechten, die am Alten festhalten wollten, waren damals die Anhänger des Feudalismus – eine inzwischen obsolet gewordene Option, es sei denn, man gehe davon aus, dass die ehemaligen Feudalherren durch die heutigen Bürokraten in der Zentralverwaltung abgelöst worden seien. Aber diese würden sich heute vielerorts vehement gegen die Bezeichnung «rechts» wehren.

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