Undefinierbare Freiheit

Nichts ist schwerer zu definieren als Freiheit. Am ehesten passt vielleicht «die Abwesenheit von Zwang». Aber das tönt ziemlich negativ und abweisend. Soll man etwas derart Positives wie die Freiheit wirklich so negativ umschreiben?

In einem sehr ausgewogenen Kommentar zum Thema Freiheit wird das Frei-Sein als «Rausch der Freiheit» bezeichnet, womit angetönt werden soll, dass auch das Wegfallen üblicher Hemmungen als Befreiung empfunden werden kann. Aber: Muss man wirklich berauscht sein, um sich frei zu fühlen?

Ich weiss letztlich auch nicht, wie sich Freiheit ihrem Wesen nach am besten definieren lässt, möglicherweise eben nur vielfältig und in verschiedenen Annäherungen von aussen her. Ich habe sie einmal eine Wolke genannt, die man nur von aussen abgrenzen kann, als das was übrigbleibt und nicht mehr beschreibbar ist.

Oder ist Freiheit der blaue Himmel, der sehr oft von Wolken bedeckt ist, wie es im Refrain eines bekannten Liedes heisst: «Über den Wolken, muss die Freiheit grenzenlos sein.». Ist Freiheit ein Wunder?

Ludwig Erhard mochte den Begriff «Wirtschaftswunder» nicht, und er beschrieb, das, was sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ereignete als «Sturzbach der Freiheit».

Ich ergänze: Nach dem kollektiven Rauschzustand des Krieges als «Kampf um die angemasste Vormacht» kommt die Freiheit von selbst, als Frucht des Friedens, der immer wieder durch Krieg und Zwang verhindert wird.

Anderenorts habe ich einmal das Spiel als Wesenskern der Freiheit bezeichnet und an die Bedeutung erinnert, die das «Spiel» in der Mechanik hat, wenn es darum geht, ein Gelenk beweglich zu halten.

Deshalb mein Neujahrswunsch: Viel Spiel in allen Gelenken, die uns mit andern verbinden.

Robert Nef, Neujahr 2023


Quelle: https://www.robert-nef.ch/2022/12/31/undefinierbare-freiheit/

Staatswachstum, Zentralismus und «Crony Capitalism»

Von Robert Nef

Trotz meiner persönlichen Vorliebe für «small is beautiful» und «mehr Freiheit für alle», teile ich den von Prof. Tobias Straumann in seinem NZZ-Interview vom 12. August geäusserten Pessimismus bezüglich Staatswachstum und Zentralismus. Der weltweite Trend geht zurzeit auf «Gross, immer grösser» – leider. Die dahinterstehende Triebkraft sind fünf Phänomene, die man die «Big Fives» nennen könnte: Big government, big business, big money, big education/research/information und big data. Sie sind komplex miteinander vernetzt, und man kann die Schuld an dieser verhängnisvollen Verknüpfung nicht allein der Politik, bzw. dem «big government» zuschieben. Der Drang zur Grösse ergibt sich aus der Kombination von wechselseitigen Reaktionen. Trotzdem lohnt es sich, im Hinblick auf einen möglichen «geordneten Rückzug aus überdimensionierten Fehlstrukturen» oder im Hinblick auf einen Crash über mögliche Kausalitäten innerhalb dieser vielfältigen und labilen Interdependenz nachzudenken.

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Sozialismus braucht Zwang


(Nebelspalter)

In sozialistischen Staaten und auch in anderen totalitären kollektivistischen Systemen ist Kapitalismus im Sinn von Freihandel und eigennützigem Gewinnstreben nicht zugelassen – oder nur sehr dosiert.

von Robert Nef

Der wichtigste Unterschied zwischen Sozialismus und Kapitalismus besteht darin, dass man in einer kapitalistischen Ordnung sehr wohl freiwillig andere, nicht kapitalistische Ziele verfolgen kann. Nach freier Wahl können sich alle solidarisch verhalten und sich in den Dienst anderer stellen – auch unentgeltlich.

Im Sozialismus wird Solidarität hingegen zwangsweise verordnet, wobei Sozialdemokraten bereit sind, Zwangssolidaritäten erst dann allgemeinverbindlich zu etablieren, wenn eine Mehrheit (meist eine Mehrheit von Begünstigten) zugestimmt hat. Das unterscheidet sie von den doktrinären Sozialisten, bei denen die Freiheit Andersdenkender keine Priorität hat, weil sie definitiv «wissen, was für alle gut ist».

In einer offenen, auf Kapitalismus basierenden Gesellschaft, steht es jedoch allen frei, einer Genossenschaft beizutreten, in der alles einvernehmlich geteilt wird. Niemand ist gezwungen, den Gelderwerb als oberstes Ziel zu verfolgen, und man kann sich für ein asketisches Leben entscheiden, sofern man dem Gemeinwesen nicht zur Last fällt.

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Strategie des geordneten Rückzugs

(Finanz und Wirtschaft – Meinungen)

Der Staat dringt immer weiter ins Private vor, der Prozess hat sich in der Pandemie noch verstärkt. Er muss dringend zugunsten der Freiheit und zulasten des Staates umgedreht werden. Ein Kommentar von Robert Nef.

«Wer willkürlich herrschen will, ist an Notständen aller Art interessiert.»

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