Immunologischer Grundkurs zur «Impf-Lüge»

(Beda Stadler, Weltwoche Nr. 45.22)

Die Zulassungsverfahren für die Corona-Impfstoffe wurden beschleunigt, die Behörden schauten aber genau hin. Es passierte nichts, was man nicht von anderen Krankheiten her kannte.

Bisher sind weltweit dreizehn Milliarden Impfdosen gegen das Coronavirus verabreicht worden. Man könnte also über die Frage nachdenken, wie vielen Menschen dadurch das Leben gerettet wurde – oder ob sich dahinter ein Impfskandal versteckt. Schliesslich war es schon ziemlich erstaunlich, dass sich der Bundesrat mit einer Magistratin, die sich einst mit Leib und Seele gegen die Gentechnik sträubte, in relativ kurzer Zeit dazu durchrang, in Visp eine Grossproduktion des RNA-Impfstoffs zuzulassen, obwohl die Landesregierung immer noch an einem Gentech-Moratorium in der Landwirtschaft festhält.

Kein Wunder, dass die gläubigen Weltretter sich mit den neuerwachten Impfgegnern zusammentaten. In den sozialen Medien entwickelte sich dadurch eine neue Verschwörungstheorie namens «Impf-Lüge», und diese hat in der Zwischenzeit auf fast alle Medien übergegriffen. Ich will nicht auf das mediale Hickhack eingehen, wer wann wo was gesagt hat, es wurde dazu schon fast alles gesagt, leider auch von der Weltwoche, weshalb ich nicht mehr für dieses Blatt schreiben wollte. Ich tue es noch einmal, sozusagen als immunologischer Kindergärtner.

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Axel Meyer: «Es ist ja lächerlich zu behaupten, es gebe keine Unterschiede zwischen Mann und Frau»

Axel Meyer ist ein Evolutionsbiologe und Zoologe, der sich eines weltweiten Renommees erfreut, er forschte über Fische, Schildkröten, Krokodile – und Menschen. Aufgewachsen in Lübeck, studierte er zuerst in Deutschland, dann in den USA, wo er den PhD erwarb, um danach jahrelang an dortigen Universitäten zu lehren, unter anderem in Berkeley, bis er 1997 einen Ruf nach Konstanz annahm. Vielleicht lag es an der Erfahrung in Amerika, dass er in Deutschland sich bald auch in der Öffentlichkeit äusserte, manchmal durchaus politisch und pointiert, was für Aufsehen sorgte. Evolutionsbiologische Einsichten sind nicht in allen Milieus beliebt, zumal in jenen nicht, die Geschlecht allein für ein soziales, kulturelles Konstrukt halten – ohne jede Verbindung zu biologischen Tatbeständen.

Markus Somm unterhält sich mit Axel Meyer über dessen Liebe zur Biologie, den Irrsinn der Geschlechterideologie und den besorgniserregenden Niedergang des Leistungsprinzips an unseren Universitäten.

(Meyer hat neben zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen auch leichter Zugängliches veröffentlicht, insbesondere den Bestseller: Adams Apfel und Evas Erbe – Wie die Gene unser Leben bestimmen und warum Frauen anders sind als Männer, München 2015.)